8. Juni 2017

"Hachschara - Eine Brücke zum Leben" oder "Geschichtsausflug mit dem Seniorenverband Luckenwalde"

Beim Rundgang durch die Ausstellung.
Beim Rundgang durch die Ausstellung.
Ich freute mich sehr, dass ich Dr. Herbert Fiedler (r.) persönlich kennen lernen durfte.
Ich freute mich sehr, dass ich Dr. Herbert Fiedler (r.) persönlich kennen lernen durfte.

Auf Einladung des LINKEN-Seniorenverbandes Luckenwalde besuchten wir am 01.06.2017 eine für Deutschland einmalige Ausstellung zur Hachschara-Geschichte mit dem Titel "Einblicke zur Hachschara - Das Landwerk Ahrensdorf 1936 - 1941. Eine Brücke zum Leben." Heute ist die Hachschara-Stätte (unweit Trebbins) weitgehend in Vergessenheit geraten. Hachschara ist hebräisch, bedeutet „Vorbereitung, Tauglichmachung“ und bezeichnet die systematische Vorbereitung der Juden auf die Alija, d. h. "für die Besiedlung Palästinas...“ 
Es war eine jüdische Einrichtung, in der sich jüdische Mädchen und Jungen aus Deutschland und Österreich während der Kriegszeit auf einen neuen Lebensweg im damaligen Palästina vorbereiteten. Das Land ihrer Hoffnung. Sie verbrachten in der Hachschara-Stätte eine glückliche Zeit und erlernten handwerkliche Berufe, bevor viele von ihnen Deutschland verlassen konnten. Ein Palästina-Zertifikat war die Bedingung dafür, auf diesen großen Rettungsweg gehen zu können. Wer ein Zertifikat erhielt, der hatte sein Leben vor sich.
Und die anderen? Nach der Auflösung des Landwerkes wurden die noch hier sich aufhaltenden Mädchen und Jungen in Sammellager, die mehr und mehr zu Zwangsarbeitslagern wurden, überführt. Für sie wurde es ein Weg ins Schreckliche, den Holocaust. „Bitte vergesst uns nicht!“ mahnt der Brief eines Ahrensdorfer Mädchens aus Auschwitz.

Dank solcher Menschen wie Dr. Herbert Fiedler und anderer Engagierter werden wir sie nicht vergessen. Denn Dr. Herbert Fiedler aus Luckenwalde startete nach der Wende zusammen mit seiner Frau Ruth eine große Privatinitiative zur Dokumentation und Erinnerung an die Hachschara. Es gelang ihnen zusammen mit Schülergruppen, einzigartige Dokumente, Fotos, Briefe und Texte aus jener Zeit zu recherchieren und zu sichern, sodass nach Jahren Schicksale von Menschen aus vielen Ländern bekannt wurden, die sich bei ihm meldeten, weil sie im Ahrensdorfer Landwerk „Eine Brücke zum Leben“ fanden.

Hachschara-Stätte, in diesem Haus wohnten die Mädchen.
Hachschara-Stätte, in diesem Haus wohnten die Mädchen.
Mit dem Seniorenverband Luckenwalde DIE LINKE
Mit dem Seniorenverband Luckenwalde DIE LINKE

2006 wurde die Dauerausstellung eröffnet, die nun seit Jahren von Doris Kieback, sie war 40 Jahre Lehrerin in Trebbin, hervorragend betreut wird. Dr. Herbert Fiedler ist 91 Jahre alt und war an dem Nachmittag unser Überraschungsgast. Er beantwortete viele Fragen und freute sich über das große Interesse an seiner Arbeit.  "Wir, die wir heute leben, wollen uns auch an sie alle erinnern, die einst lebensfroh und voller Hoffnung eine neue Zukunft erträumten."
Die Ausstellung ist sehr beeindruckend, empfehlenswert und geht ins Herz. Ort der Dauerausstellung: Trebbiner Oberschule, Goethestraße 18. Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten! Anschließend kehrten wir in der Waldgaststätte Priedel "Zum Turm" ein und tauschten unsere Gedanken bei leckerem Kaffee und Kuchen aus. Bevor ich aber wieder nach Elbe-Elster zurück fuhr, besuchten wir alle das ehemalige Landgut Ahrensdorf, was sich heute wieder in Privatbesitz befindet. Es diente einst einer Berliner Großhändlerfamilie als Jagd- und Sommeridylle. In der Nazizeit wurde es an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland verpachtet und so später zur Ausbildungsstätte jüdischer Mädchen und Jungen.
Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten!

Gedenkstein
Gedenkstein